Free Spy–Fi, ein WLAN Überwachungs–Experiment

Gratis WLAN Hotspots gibt es an fast jeder Straßenecke in größeren Städten, doch ist dieser Service wirklich kostenlos? Ein Experiment stellt unseren Umgang mit mobilen Kommunikationstechnologien in Frage und zeigt auf, wie verletzlich unsere Privatsphäre im digitalen Zeitalter zu werden droht:

Studierende
Semester
Art des Projekts


Das Video erklärt die Trackingmethode mittels WLAN Signalen

Problemstellung

Free Spy-Fi entstand aus der Fragestellung des Interspace Projekts 2016: »Wem gehört die Luft?« und beschäftigt sich mit unserem Umgang mit mobilen Kommunikationstechnologien, die uns heutzutage allgegenwärtig umgeben. Ständige Erreichbarkeit ist aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken. Es ist selbstverständlich geworden, unterwegs zu chatten, Bildergalerien zu durchstöbern oder YouTube–Videos zu schauen. Um dabei kostbares High–Speed Datenvolumen zu sparen, nutzen wir WLAN Hotspots und lassen das WLAN unseres Handy oft den ganzen Tag eingeschaltet—aus Unachtsamkeit oder weil es uns egal ist. Den meisten NutzerInnen ist dabei nicht bewusst: Smartphones geben auch in diesem Zustand Informationen über uns Preis, selbst wenn wir dem nicht zustimmen. Bei eingeschaltetem und nicht verbundenem WLAN suchen Handys ständig nach verfügbaren Hotspots indem sie sogenannte »Probe Requests« versenden. Diese kleinen Informationspakete enthalten die »Media–Access–Control«—kurz MAC–Adresse, die weltweit einzigartige Identifikationsnummer des Smartphones. Sammelt man diese Probe Requests an verschiedenen Orten, lässt sich der/die BesitzerIn verfolgen und ein Bewegungsprofil erstellen.

Herangehensweise

Ein Netzwerk sogenannter »Sniffer«, das sind Geräte welche die MAC–Adresse erfassen können, wurde in der Bremer Innenstadt installiert, um Probe Requests von Smartphones zu erfassen. Die detektierten Handys werden mit einem Zeit– und Orts–Stempel versehen, wodurch anhand der Stärke des Signals und deren Übereinstimmung an anderen Orten eine Datenbank entsteht, die Rückschlüsse auf die Bewegungen der Bremer BürgerInnen zulässt. Geht man von einem weitläufigen und feinmaschigen Netzwerk von Sniffern für die Datenerhebung aus, kann der Großteil der Stadtbevölkerung mit dieser Methode ausspioniert werden. Informationen über die Fluktuation and Orten oder bei Veranstaltungen, aber auch der Wohnort, die Arbeitsstelle und das soziale Umfeld einzelner NutzerInnen können durch diese Technologie abgeleitet werden. Diese Methode kann als extrem kostengünstige und vor allem unsichtbare Überwachungstechnik eingesetzt werden. Bereits etablierte Netzwerke von Hotspots (z.B. Internetdienstanbieter oder Dienste wie Freifunk) könnten modifiziert oder gehackt werden, um die Daten zu generieren. Was würde darüber hinaus passieren, wenn solch eine Datenbank mit empfindlichen, persönlichen Daten kombiniert werden würde? Wenn Sniffer nicht nur die anonyme MAC–Adresse einfangen, sondern auch die Datenpakete der Verbindungen zur Analyse heranziehen würden, könnten BenutzerInnen genaustens überwacht werden.

Die Trackingmethode

Die Installation


Überblick

Live-Sniffer

CCTV Kamera und Nasen–Poster die überall in der Stadt zu finden waren

Die CCTV spiegelt BesucherInnen und zeigt im Wechsel ein Video der Intervention im Stadtraum

Router

Drucker

Zu den Hochschultagen 2017 der Hochschule für Künste Bremen wurde das Projekt in Form einer Installation einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zu dem erklärenden Video wurde ein Live–Sniffer installiert, der die häufigen Verbindungsanfragen von Smartphones in der Nähe veranschaulichte. Im Durchschnitt erkannte das Gerät ca. 40 MAC Adressen pro Minute und bildete sie in Form eines Livetickers ab. Um schon weit im Vorfeld dieser Installation auf die Wichtigkeit eines großen Netzwerkes für solch eine Erhebung aufmerksam zu machen, wurden dreidimensionale Nasen–Postern ein halbes Jahr früher an über 40 Stellen in den Bremer Straßen aufgehängt. So erkannten aufmerksame BeobachterInnen die Aussagekraft eines weitläufigen Netzwerks, bevor sie die Ausstellung besuchen. Eine Überwachungskamera zeigte ein Video von der Installation der Sniffer und Nasen im öffentlichen Stadtraum. Es wurde abwechselnd mit dieser Aufnahme ein Spiegelbild der BesucherInnen gezeigt, um zu verdeutlichen dass es hierbei um seine/ihre Privatsphäre geht. BetrachterInnen sollen sich so von der Kamera ertappt fühlen. BesucherInnen wurden auch dazu aufgefordert, ihr Smartphone an die Antenne eines WLAN Routers zu halten, der programmiert wurde, um die MAC–Adresse des Handys einzufangen und sie mit der Datenbank abzugleichen. Bei Übereinstimmung wurde dem/der NutzerIn eine metaphorische Rechnung ausgedruckt, die zeitbasiert und grafisch aufzeigte, wo er/sie sich während der Datenerhebung aufgehalten hat.


Zum Überprüfen, ob das eigene Handy erfasst wurde wird es an den Router gehalten, bei Übereinstimmung gibt es eine metaphorische Rechnung

Siehe auch:
free-spyfi.com
ardmediathek.de
bild.de

Ein Projekt von Daniele Tatasciore, Hubert Kloskowski, Jan Sengstake und Sven Rose