Orientierungssystem für den Südwestkirchhof Stahnsdorf

Der Südwestkirchhof Stahnsdorf, südwestlich von Berlin gelegen, ist der zweitgrößte Friedhof Deutschlands – trotzdem führt er im Schatten Berlins ein eher vergessenes Dasein. Ein neues Orientierungssystem geht behutsam auf die Eigenheiten des Ortes ein.

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Der Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin

Einleitung Der Südwestkirchhof Stahnsdorf gehört mit seinen 206 Hektar zu den größten Friedhöfen Europas. Ursprünglich 1909 als landschaftsarchitektonisches Glanzstück angelegt, trennte die Berliner Mauer den Südwestkirchhof (SWK) von seinem Einzugsgebiet. Große Teile des Friedhofes stehen heute unter Denkmal- und Naturschutz.
Ein Förderverein und ein kleines, aber engagiertes, Team von Kirchenmitarbeiten kümmern sich nicht nur um die Erhaltung und den Betrieb des SWK, sondern lassen ein kulturelles Angebot rund auf dem SWK entstehen.
Durch seine Historie und seinen kulturellen Hintergrund spricht der Südwestkirchhof unterschiedlichste Personengruppen an, auf ihm zu verweilen. Seine Weitläufigkeit lädt zum Erkunden ein und gibt seinen Besuchern die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen. Der Friedhof wird zum Erholungsort, zur Rückzugsmöglichkeit und zur kulturellen Begegnungsstätte.
Obwohl Berlin den SWK längst wiederentdeckt hat und jedes Jahr rund 1000 Bestattungen erfolgen, bleibt der Kirchhof an Berlin nur mäßig gut angebunden. Dennoch wird der SWK touristisch besucht. Dies lässt das Potenzial des Ortes erahnen.

Zielgruppen Auf dem SWK treffen unterschiedliche Besucher aufeinander: auf der einen Seite sind es die Angehörigen, die vor allem ein Ziel haben: vom Eingang zu einem bestimmten Grab zu gelangen und von diesem Punkt auf kürzestem Weg wieder den Ausgang zu erreichen. Zum anderen gibt es Touristen, die den Ort ohne großes Vorwissen betreten. Sie möchten spazieren und verweilen, sind an dem kulturellen Angebot und der besonderen Atmosphäre interessiert.
Die touristischen Besucher bewegen sich nach dem Prinzip des „Erkunden und Entdecken“. Sie sollen sich mithilfe eines Orientierungssystems frei und sicher auf dem Gelände bewegen können.

Ist-Zustand Südwestkirchhof Stahnsdorf
Ist-Zustand des Orientierungssystems

Ist-Zustand Südwestkirchhof Stahnsdorf
Ist-Zustand des Orientierungssystems

Entwurf Für ein neues Konzept eines Orientierungssystems für den SWK war es für das Team von großer Wichtigkeit, die Ästhetik und Identität des Ortes zu wahren. Ziel unseres Entwurfes ist es, ein neues Orientierungssystem zu schaffen, welches dem Ort gerecht wird.


Wasserstellen dienen Angehörigen als Orientierungselemente

Orientierungselemente in der Landschaft Um unnötige – und dadurch auch potenziell störende – Elemente zu vermeiden, möchten wir vorhandene Elemente des Friedhofes als Orientierungspunkte nutzen. Bereits bestehende und für die Angehörigen wichtige Elemente werden umgestaltet, erneuert und um Zusatzinformationen erweitert. Dies betrifft unter anderem alle Gebäude, Brunnen (die auf dem gesamten Gelände verteilt sind), Bänke, alle Wasserstellen, Entsorgungsbehälter für Grünabfälle und Mülleimer.
Diese bestehenden Elemente sind bereits fester Teil der Friedhofslandschaft und werden in unserem Entwurf auf unterschiedlichste Weise für Orientierungszwecke verwendet. Der Corten-Stahl verändert seine Farbe von einem anfänglichen Grau zu einem Rostrot, bis er nach fünf Jahren seine endgültige tiefbraune Farbe annimmt.


Bänke dienen als Orientierungselemente und Erholungsorte

Elemente zur Re-Orientierung Ein sicheres Netz aus verschiedenen Orientierungspunkten soll die Besucher des SWK bei ihrem Besuch begleiten und auffangen. Dieses Netz besteht aus Bänken, Brunnen, Abfall- und Wasserstellen, sowie den markanten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten und einer Karte. Das System soll den Besucher dabei unterstützen, den besonderen Ort auf eigene Faust zu erforschen, die beruhigende Atmosphäre zu genießen und die architektonischen sowie natürlichen Sehenswürdigkeiten zu erfahren.
Dank der Dichte der Re-Orientierungselemente auf dem Gelände kann der Besucher ohne Angst, sich zu verlaufen, die Hauptwege verlassen, da er regelmäßig auf Bänke, Wasserstellen oder Wegweiser stößt, die ihm eine Wieder-Orientierung ermöglichen oder ihn zum Ausgang führen.
Auf jeder Bank und den hohen Kartenstelen sind neu gestaltete Kartenausschnitte zur Reorientierung angebracht.


Elemente zur Re-Orientierung

Das erneuerte Grabfindungssystem Das alte Grabfindungssystem von 1909 weist, momentan unvollständig, auf Bereiche, Felder, Reihen, Grabnummern und – im Friedwald – auf Bäume hin. Die bisherige Namensgebung und Nummerierung wird aus organisatorischen, praktischen und kulturhistorischen Gründen beibehalten. Die aktuellen Feldmarker, Reihenmarker und Grabnummern werden durch Wegweiser aus CorTen-Stahl ersetzt, die mit dem Ort »altern« und rasch eine Patina ausbilden. Fehlende Wegweiser werden ergänzt. Das momentan unvollständige System wird so wiederhergestellt.


Das überabeitete Grabfindungssystem besteht aus Stelen aus Corten-Stahl

Route Eine touristische Route deckt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Südwestkirchhofs ab. Der Weg der Route ist im Gelände durch eine besondere Bepflasterung auf dem Boden markiert. Dadurch ist die Route erkennbar, ohne in die Gesamtästhetik des Geländes zu sehr einzugreifen. Zusätzlich finden sich am Wegesrand Markierungen, die Aufschluss über den zeitlichen Verlauf geben.

Route auf dem Südwestkirchhof
Eine Bepflasterung zeigt behutsam eine touristische Route auf

Das vollständige Orientierungssystem bietet eine Art »Sicherheitsnetz«, mit dem sich der Besucher auf den Friedhof orientieren kann, aber nicht muss – es bietet auch die Möglichkeit »bewusst« verloren zu gehen, ehe man an der nächsten Weggabelung auf den nächsten Hinweis stößt. So kann die Atmosphäre des Ortes gewahrt werden.


Das gesamte Orientierungssystem bildet ein Orientierungsnetz, das sich über den gesamten Friedhof erstreckt